Statement MTB im Deister

MTB im Deister 2019

Neue Presse, HAZ, RTL und Regionsjournal – in den letzten Wochen gab es zum Mountainbiken im Deister einiges zu lesen und bald auch noch zu sehen. Man hat uns um eine Stellungnahme zu den Print- Berichten gebeten.

Der Ist-Zustand im Deister ist schnell zusammengefasst: Es gibt genau eine WaldbesitzerIn, die Niedersächsischen Landesforsten, die mit uns spricht und in deren Revier es keinerlei inoffizielle Strecken oder sogar illegale Aktivitäten gibt. Die Zusammenarbeit mit unserer Vertragspartnerin, den Landesforsten in Person von Herrn Boehle- Keimer und Herrn Nüsser, verläuft äußerst erfreulich. 

Andere Waldbesitzer als die NLF suchen keinen Kontakt zu uns und werden damit zitiert, dass man dem Verein nicht zutraut, weitere Strecken zu betreiben und auch hier die Bau- und Fahraktivitäten zu kanalisieren. Wir nehmen das unkommentiert zur Kenntnis.

 

Die heutige gute Situation auf den Vereinsstrecken ist auf die Initiative unseres damaligen Vorstands Carsten Bolze zurückzuführen, dem es gelungen ist, die Region als Moderatorin zu gewinnen und eine Gesprächsplattform zu initiieren. Ausschließlich die Landesforsten haben sich danach bereit erklärt, Strecken zur Verfügung zu stellen.

Da die Landesforsten keinen Pachtvertrag mit einer Privatperson abschließen wollten, wurde der Verein aus reiner Notwendigkeit, nicht aus Begeisterung für Vereinsformalien, gegründet. 

In dem deutschlandweit einzigartigen Gemeinschaftsprojekt mit Region und Landesforsten übernimmt der Verein ab sofort in ehrenamtlicher Arbeit nicht nur Kosten für Pacht und Baumschau, Bau, Instandhaltung und Versicherung der Trails, sondern auch den sofortigen Rückbau anderer inoffizieller Strecken auf dem Gebiet der Revierförsterei und sammelt und entsorgt sogar regelmäßig Fremdmüll.

Der Forstbetrieb muss sich nicht einschränken. Wenn Revierförster Frank Nüsser die Strecken wegen Baumarbeiten sperren muss, wird der Verein kurz informiert, der sorgt dafür, dass sich die Biker daran halten, so lange, bis Herr Nüsser den Trail wieder freigibt. Anschließend repariert der Verein anstandslos etwaige vom Harvester verursachte Beschädigungen an der Strecke. Als Orkantief Friederike Anfang 2018 vor allem auf dem Gebiet der Landesforsten jede Menge Kleinholz hinterlässt, bleibt ein Drittel des beliebten Ü30 – Trails monatelang gesperrt. Niemand beschwert sich, Herr Nüsser macht seinen Job, wir machen unseren. Nach Abschluss der Forstarbeiten wird aufgeräumt, die Strecke wieder aufgebaut und freigegeben. 

Apropos Umwelt: Im Zuge der bis 2014 andauernden Streckentestphase beauftragt die Region Hannover das Ingenieurbüro „SHP Ingenieure“ und die Landschaftsarchitekten „Gruppe Freiraumplanung“ mit aufwendigen Untersuchungen u.a. zum Nutzerverhalten und zur Naturverträglichkeit der Strecken. Mit Ergebnissen, die klarer nicht sein könnten. Die Verträglichkeit für Flora und Fauna wird einwandfrei festgestellt, mehr noch, einige Arten profitieren sogar von den Strecken! 

Der von allen Beteiligten erhoffte Kanalisierungseffekt auf dem Gebiet der Revierförsterei ist zweifellos zu erkennen und an den Ein- und Ausstiegen der Trails und den Querungsstellen der Wanderwege wurden keine Konflikte mit anderen Waldnutzern oder gar Zwischenfälle mit Tieren festgestellt. Wanderer sind übrigens, auch das ergibt das sog. Monitoring, eine ebenso große Nutzergruppe auf den inoffiziellen und teilweise sogar auf den offiziellen Strecken.

Mit Genehmigung der Vereinsstrecken formulierte die Region Hannover gleichzeitig auch deutlich, was sie u.a. in Zukunft von uns erwartete: den Verein und sein Angebot attraktiv zu gestalten, um möglichst viele der im Deister aktiven Mountainbiker im Deisterfreun.de e.V. zu organisieren und den Verkehr auf die offiziellen Trails zu lenken. Hat funktioniert: Trails, die das ganze Jahr über Spaß machen, coole Veranstaltungen wie das jährliche Vereinsrennen oder die Passfeste, ein eigenes Angebot für Touren und Fahrtechnikkurse und nicht zuletzt Transparenz, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen und konventionellen Medien. So sind wir inzwischen mit knapp 450 Mitgliedern auf das Vierfache gewachsen und haben ganz nebenbei eines der interessantesten und meistgenutztem Freizeitangebote auch für Kinder und Jugendliche in der Deisterregion geschaffen, Tendenz weiter steigend. Der Verein hat sich dabei stets daran gehalten, die Strecken nicht überregional zu bewerben, um den Druck nicht noch zu erhöhen. Wir legen unseren Schwerpunkt ganz klar darauf, Vereinsmitglieder zu gewinnen, die aus dem Großraum Hannover stammen und ohnehin hier fahren. 

Klartext, wer sind denn überhaupt diese Mountainbiker und was stellen sie im Wald an? Die BikerInnen im Deister sind keine homogene Gruppe, sie setzen sich aus allen Altersklassen, Berufs- und Bevölkerungsgruppen zusammen. Im Wald zählt nicht, wer Du bist und wo Du herkommst, das ist das Schöne an unserem Sport. Während man mit dem Rad in der Natur unterwegs ist, kann man sich außerdem keine Gedanken über die Arbeit oder andere Sorgen machen, garantiert! Entgegen der Darstellung ist es nicht der Kick für’s Ego, der Thrill oder das Adrenalin, das die BikerInnen suchen. Wir erwarten gar nicht, dass Außenstehende nachvollziehen können, was wir unter „Flow“ verstehen und dass unser Sport mit der nötigen Erfahrung und Fitness gar nicht mehr so halsbrecherisch ist, wie es scheint. So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Räder und die Disziplinen. Einige sammeln bevorzugt Kilometer und geben auch bergauf Gas, manche fahren am liebsten nur bergab. Die meisten lassen’s eher ruhig angehen und springen auch nicht über die vielzitierten Sprungschanzen. Und die haben sich nicht von allein gebaut. Einige gestalten die Trails nach ihren Vorstellungen, manche harken im Frühjahr das Laub und Geäst von den Wegen und andere greifen zur Schaufel, um dem Gelände nachzuhelfen und Sprünge und Anliegerkurven in die Ideallinie einzubauen. Der Mensch ist seit jeher Teil der Natur, nutzt Pfade und legt Wege an. Dass Waldbesitzer und Förster das zurecht stört, bestreiten wir nicht, aber hier wird so getan, als wären Rad- und Wanderwege Teufelszeug. Wir kommen intern zu der Schätzung, dass wir hier über einen Anteil von ca. 0,03% der Gesamtfläche des Deisters sprechen.

Ist es keinen Versuch wert, mehr Miteinander zu wagen, wenn man die Chance hat, dies gemeinsam mit einer zentral organisierten Mountainbike- Szene umzusetzen? 

Die Region Hannover gibt im Anschluss an die Freigabe der Vereinsstrecken einen Flyer heraus, so etwas wie ein kleiner Leitfaden zum Mountainbiken im Deister. Die finale Version wird erst nach einigem Hin und Her veröffentlicht, da wir den Flyer an sich zwar begrüßen, uns jedoch vehement gegen die Verwendung der Begriffe „legale Trails“ und illegale Trails“ zur Wehr setzen. Da wir mit unserer Argumentation unbestreitbar richtig liegen, wird von nun an – ganz im Sinne der Rechtslage- von „offiziellen“ und „inoffiziellen Trails“ gesprochen. Schwarz auf weiß, jeder kann es nachlesen. Es gibt im Deister die offiziellen Vereinsstrecken auf dem Gebiet der Landesforsten und darüber hinaus im übrigen Deister eine Vielzahl von inoffiziellen aber nicht minder legalen Trails, die z.T. schon seit mehreren Jahrzehnten bestehen, auf einschlägigen Karten zu finden sind und gem. NWaldG als sog. ‚Tatsächlich öffentliche Wege‘ gelten und die gem. §§ 23 und 25 betreten / befahren werden dürfen. 

Es ist also nicht so, dass man neuerdings und wegen unseres Pachtvertrages nicht mehr abseits der zweispurigen Hauptwege, bzw. nur noch auf unseren Strecken fahren dürfte. An dieser Legende wird gern gestrickt, sie trifft aber nicht zu. 

Inzwischen wird wieder von illegalen Strecken im Deister gesprochen, es ist sogar die Rede davon, dass Mountainbiker Hochsitze von Jägern angesägt hätten und unser persönliches Highlight: Mountainbiker fahren mit Minibaggern in den Wald, um Strecken anzulegen (sic!). 

Apropos Jäger – wir haben nichts gegen Jäger, gar nichts. Man stelle sich vor: einige von uns gehen sogar selbst zur Jagd, fahren Auto (nicht Minibagger), gehen Wandern, Joggen, tragen Brillen – you name it. Im Grunde haben wir alle, die im Wald Erholung suchen, ihren Hobbies oder ihrem Sport nachgehen, doch die gleichen Interessen. Wir wollen weg von den breiten, künstlich angelegten Wirtschaftswegen, denn die Natur erlebt man nur abseits dieser befestigten „Waldautobahnen“. Wir sägen an keinen Hochsitzen, sie sind uns ehrlich gesagt ziemlich egal. 

Nach mehreren mindestens ebenso unseriösen Presseberichten einer reinen Onlinepublikation hat 2019 der Verein versucht, den runden Tisch auch mit den weiteren Waldbesitzern wiederzubeleben, man traf sich aber lieber untereinander und unter Beteiligung der Region Hannover.

Nimmt man nun alle Fakten zusammen, d.h. die Rechtslage, die Studien zur Nutzung und Umweltverträglichkeit und die Erfahrungen der NLF mit den Deisterfreunden, ist das Mountainbiken im Wald auf Wegen, die keine zweispurigen Fahrwege sind, durchaus umweltverträglich und zu allseitigem Nutzen zu betreiben.

Es wäre selbstverständlich naiv von uns, anzunehmen oder sogar zu erwarten, dass die Interessen von Forstwirtschaft und Waldbesitzern unseren und denen der anderen Erholungssuchenden im Deister unterzuordnen seien. Niemand will die Forstbetriebe in ihrer Arbeit behindern oder in ihren Rechten beschneiden. Es wäre aber mindestens ebenso naiv, anzunehmen, dass sich die hausgemachten Probleme mit den Mountainbikern schon irgendwann in Luft auflösen, wenn man sich nur lang genug Augen und Ohren zuhält. Der Sport erfreut sich immer größerer Beliebtheit und wächst immer weiter, von „Trendsport“ kann schon lange nicht mehr die Rede sein. Der Zenit bei geländetauglichen E-Bikes ist noch lange nicht erreicht, die Gemeinden Wennigsen und Barsinghausen befinden sich biketourismusmäßig noch im Dornröschenschlaf und auch die Hannover Marketing & Tourismus GmbH hat das Potenzial in den Strecken der Deisterfreunde als Standortfaktor für die Region erkannt und mit Großplakaten in Norddeutschland, Werbung in ICE Zügen und -Bahnhöfen und mit Flyeraktionen in Holland für unsere Vereinsstrecken geworben, sogar mit dem Bild eines Vereinsmitglieds. Dazu kommen inzwischen auch noch andere Interessengruppen, die den Deister kommerziell nutzen wie z. B. Geocacher, die ebenfalls gern abseits der Wirtschaftswege unterwegs sind und neuerdings auch Segwayfahrer. Und unser Nachwuchs sitzt auch schon auf dem Rad. Ob man nun will oder nicht, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Da hilft auch kein Abwarten und Jägermeister trinken.

 

Die Annahme, dass die drei auf dem Gebiet der Landesforsten ausgewiesenen offiziellen Trails ausreichten, um das Mountainbiken im restlichen Deister einzustellen, ist unrealistisch. Alle Erholungssuchenden im Wald, die Radfahrer eingeschlossen, wollen die Natur abseits der breiten, künstlich angelegten Wirtschaftswege erleben, weitere offizielle Trails sind langfristig also eine dringende Notwendigkeit, z.B. auf dem Gebiet der Klosterforsten. Wir stehen weiterhin jederzeit zum Gespräch bereit und können im jeweiligen Waldgebiet für ein attraktives Angebot offizieller Wege sorgen, das illegales Bauen schlicht und ergreifend überflüssig macht.

 

Solange man den Wald als mythischen Sehnsuchtsort mehr emotional als verstandesmäßig betrachtet und keine Problemlösung angeht, werden wir jedes zweite Jahr im Sommerloch Presseartikel und Fernsehberichte erleben.

Als Mountainbiker werden wir den verzweifelten Versuch einzelner Personen, das mühsam konstruierte Feindbild von uns als Freizeitegoisten aufrecht zu erhalten, nicht hinnehmen, als Verein betrifft uns dies allerdings nur am Rande.

or/ah

https://m.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Illegale-Mountainbike-Strecken-Waldbesitzer-sauer-auf-Radfahrer

https://m.haz.de/Umland/Barsinghausen/Barsinghausen-Illegale-Trails-fuer-Mountainbiker-im-Deister-Waldbesitzer-klagen-ueber-massive-Probleme

https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Verwaltungen-Kommunen/Die-Verwaltung-der-Region-Hannover/RegionsJournal-%E2%80%93-alle-Ausgaben/RegionsJournal-Nr.-3-2019